„Die Uni ist Zugpferd“: Alt-OB Röhlinger im Gespräch mit dem Akrützel

Akrützel LogoUnter dem Titel „Zwischen Arbeit und Bildung“ führte Charlotte Wolf für das Akrützel, Jenas traditionelle Studentenzeitung der Friedrich-Schiller-Universität und der Ernst-Abbe-Fachhochschule, im letzten Jahr ein Gespräch mit Jenas ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Peter Röhlinger über Uni und Stadtentwicklung. Wir zitieren mit freundlicher Genehmigung:

Sie sind in Jena aufgewachsen. Wie haben Sie die Stadt und die Universität als Kind wahrgenommen?

Ich habe die Uni immer besonders hoch geschätzt. Ich hatte das Ziel, Abi zu machen, was mit meiner sozialen Herkunft schon sehr anspruchsvoll war. In der Zeit zwischen Abitur und Studium in Leipzig war ich gemeinsam mit meinen ehemaligen Klassenkameraden bereits in Jena bei medizinischen Vorträgen.

Eingang des alten Unigebäudes

Sie kamen in der Umbruchzeit nach Jena zurück und haben 1990 das Amt des Oberbürgermeisers übernommen. Wie sah die Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit der Universität aus?

Nach 25 Jahren Abwesenheit kam ich 1989 nach Jena zurück. Das war im Herbst und da waren die Schleusen geöffnet für jemanden, der sich wie ich politisch interessierte. Die Verwaltung war aufgebläht. Das war zum Beispiel ein Punkt, bei dem ich gesagt habe, wir müssen die Verwaltung schlanker machen und uns auf Stadtentwicklung konzentrieren. Die Tradition der Stadt lag in der Wissenschaft und Technologie, darauf wollten wir aufbauen. Schon zu DDR-Zeiten, sogar vor dem Weltkrieg hat Jena Weltprodukte hergestellt. Wir hatten die Chance und auch die Verantwortung, dieses hohe Niveau fortzuführen.

Wie sah der Ansatz dafür aus?

Schon zu DDR-Zeiten gab es eine gute Vernetzung zwischen Oberschulen, Bildung und Wirtschaft. Es gab das Ernst-Abbe-Gymnasium, das Schott-Gymnasium; die Chemiker hatten enge Kontakte zu den Oberschulen und den Zeissianern. Es gab auch ein musisches Gymnasium sowie ein Sportgymnasium. Die Spezialisierung ging sehr gut und zielgerichtet vonstatten. Das hatte sich auch in den Köpfen der Bürger festgesetzt, sodass man da andocken konnte. Die Zeissianer waren bekanntermaßen ehrgeizige Leute, da sollten die Kinder auch auf die zugehörigen Schulen gehen. Sie sollten auf hohem Niveau lernen und studieren. Das zeichnete sich auch, begünstigt durch den hohen Akademikeranteil, im Stadtrat ab. Von Anfang an haben wir eine hohe Bildungsqualität und eine breite Fächerung angestrebt, was uns relativ schnell gelungen ist. Es gab keinen Widerspruch, bestimmte Gemeinsamkeiten waren einfach fraktionsübergreifend. (…)

Ehrenbürger Dr. Peter Röhlinger und seine Laudatorin Sabine Hemberger - Foto © FDP Thüringen
Ehrenbürger Dr. Peter Röhlinger und seine Laudatorin Sabine Wosche

Wie ging es dann weiter?

Zunächst war lange nicht klar, inwieweit Zeiss in der Stadt bleiben würde und so zumindest einige Arbeitsplätze halten könnte. Es vergingen Jahre bis die Firma Zeiss kam und sagte, sie stehe hier für tausend Leute. Also wurden aus den 28.000 Arbeitern Tausend. Dabei ging es nur um Zeiss. Jenoptik legte sich gar nicht fest, wobei es in etwa um die gleiche Größenordnung ging. Es gab eine sogenannte Warteliste, mit 12.000 Leuten, die alle einen Platz von den Tausend brauchten. (…)

Hätte die Universität sich genauso entwickelt, wenn die wirtschaftliche Lage sich nicht so drastisch geändert hätte?

Es ist eine Entwicklung gewesen, die der Grundsatzentscheidung nach der Wiedervereinigung folgte. Insgesamt ging es um den Fortbestand der Universität und die Beständigkeit der Schwerpunkte Technologie und Wissenschaft für die Stadt. Das war lediglich die Umsetzung dieses Grundsatzes. Und wo, wenn nicht in Thüringen, sollte es stattfinden? Nicht in Gera, sondern da, wo der Standort und das Kerngeschäft von Zeiss ist. Von da aus hat man versucht, sich weiterzuentwickeln.

Wie wird die Uni von der Bevölkerung wahrgenommen?

Als Zugpferd. Keine Frage. Der Stolz der Jenaer, von der Unterscheidung Jenenser-Jenaer halte ich nichts, auf ihre Universität ist geblieben. Auch der künstlerische und der Umweltanspruch der Leute wird durch die Universität unterstützt. Die Flüsse sind heute viel sauberer und die Luft nicht mehr vergleichbar – hier waren immer Hochschulkräfte mit Spezialwissen beteiligt. Die Uni lieferte auch Experten im Bereich der Lebensmittelchemie sowie Ärzte.

Lesen Sie HIER den gesamten Artikel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s